der BENSELER Newsletter 01/2020

30. Juni 2020
der BENSELER
Dr. Mathias Mühleisen, Birgit Werner-Walz, Thomas Müller
Dr. Mathias Mühleisen, Birgit Werner-Walz, Thomas Müller

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

eigentlich hätten Sie diesen Newsletter bereits im April erhalten sollen, doch das Covid-19-Virus machte einen Strich durch die Rechnung und stellte uns – wie Sie sicherlich auch – vor bis dato ungeahnte Herausforderungen. Eines der Projekte, die den akuten Aktionen zum Trotz im Hintergrund konstant weiterlief, ist der Relaunch unserer in die Jahre gekommenen Website. Im Netz präsentieren wir uns Ihnen unter www.benseler.de jetzt in einem modernen, luftigen Design. Zugleich nutzen wir unseren Internetauftritt verstärkt zu Ihrer Information, denn im Bereich „Aktuelles“ finden Sie ab sofort ergänzende Materialien zu den gedruckten Newsletter-Beiträgen.
Wir wünschen Ihnen hier und online eine spannende Lektüre – und uns allen die baldige Rückkehr zu „normaleren“ Zuständen.

2 Themen des aktuellen Newsletters möchten wir Ihnen hier vorstellen:

Vom wichtigen Blick über den Tellerrand

Warum die Kooperation zwischen Forschung und Industrie wichtig ist, das erläutert der Spezialist für Mikrofertigungstechnik Prof. Andreas Schubert von der TU Chemnitz im Interview.

Prof. Dr.-Ing. Andreas Schubert
Prof. Dr.-Ing. Andreas Schubert

Seit September 2017 ist Prof. Dr.-Ing. Andreas Schubert von der Technischen Universität Chemnitz zusammen mit seinem Team Kooperationspartner im Forschungsprojekt Switch-ECM „Ressourceneffiziente Endbearbeitung durch elektrochemisches Abtragen mit prozesszustandabhängiger Kathodenbestromung“. Das Projekt ist Teil der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Initiative „Innovative Elektrochemie mit neuen Materialien – InnoEMat“ und läuft noch bis August dieses Jahres. Was dieses Forschungsprojekt ausmacht und warum die Kooperation zwischen Forschung und Industrie wichtig ist, das erläutert der Spezialist für Mikrofertigungstechnik im folgenden Interview.

Was war zuerst da: Die Idee zu Switch-ECM oder der Forschungsauftrag seitens des BMBF?
Die Idee zu Switch-ECM war zuerst da. Mit einer guten, mit den potenziellen Partnern abgestimmten Projektidee haben wir uns dann beim BMBF um eine Förderung beworben.

Was ist bei diesem vom Bund geförderten Projekt anders als bei „normalen“ Kooperationen mit Unternehmen?
Im Vergleich zu anderen Projekten ist die Anzahl der Industriepartner im Konsortium mit sechs Industriepartnern und einer Forschungseinrichtung vergleichsweise groß. Die fachliche Besonderheit bei diesem Projekt ist die angestrebte neue SwitchECM-Technologie mit mehreren Kathoden in einem einzelnen Bearbeitungsprozess, die grundlegend von den üblichen EC-Abtragverfahren abweicht.

Inwieweit profitieren die Projektpartner voneinander?
Durch die unterschiedlichen thematischen Ausrichtungen der einzelnen Partner wird sozusagen ein Blick über den Tellerrand möglich, der wiederum teilweise ähnliche Lösungsstrategien für abweichende Problemstellungen aufzeigt. Zudem arbeiten alle Partner gemeinsam an derselben Zielstellung. Darüber hinaus eröffnet diese Kooperation nicht nur den Kontakt zu potenziellen Geschäftspartnern. Durch sie entwickeln sich auch persönliche soziale Beziehungen, die diese Kontakte nachhaltig stärken können.

Wie kam die Kooperation mit der BENSELER-Firmengruppe zustande?
Durch persönliche Kontakte aus dem früheren wissenschaftlichen Werdegang eines Mitarbeiters an meiner Professur. Darüber hinaus ist auch das Portfolio des Unternehmens bekannt, das thematisch für das Forschungsprojekt sehr gut geeignet ist.

Was zeichnet BENSELER als Forschungspartner aus?
Neben der thematischen Nähe der Technologien bei BENSELER und der Forschung an meiner Professur kann ich feststellen, dass die BENSELER Sachsen GmbH & Co. KG sehr zielstrebig an der Lösungsfindung für die angestrebte SwitchECM-Technologie arbeitet. BENSELER Sachsen GmbH & Co. KG entwickelt im Rahmen des Forschungsprojekts Modellgeometrien, die auf industriellen Anwendungen basieren und für die innovative SwitchECM-Technologie identifiziert und ausgelegt werden. Die benötigten Zuarbeiten erfolgten jederzeit schnell und zuverlässig.

Warum ist es so wichtig, dass Forschung und Industrie zusammenarbeiten?
Forschungseinrichtungen haben den Auftrag und die Gelegenheit, sich mit grundlagenorientierter Forschung zu beschäftigen und so Kenntnisse und Methoden zu finden und zu entwickeln, die den Unternehmen bei der Realisierung ihrer technischen und auch wirtschaftlichen Ziele helfen können. Das setzt eine gute Kommunikation zwischen Industrie und Forschung voraus. Die Industrie ist Maßstab für Forschungsergebnisse hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit. Und natürlich sollen aus der Industrie auch Fragestellungen aktiv an die Forschung herangetragen werden, die sich aus aktuell oder perspektivisch zu lösenden Problemen ergeben. Ein solcher ständiger Abgleich von Angebot und Nachfrage an Wissen ist für beide Seiten hilfreich.

Funktionieren regionale Netzwerke/Kooperationen besser bzw. was sind dabei besondere Herausforderungen?
Regionale Kooperationen sind wichtig, da sich die Kommunikation und der Austausch bei räumlicher Nähe intensiver und direkter realisieren lassen. Andererseits leben wir in einer globalisierten Wirtschaft und auch die Forschung ist international aufgestellt. So arbeiten wir in europäischen Konsortien an der Entwicklung neuer Technologien, aber auch an der Weiterbildung und fachlichen Entwicklung international erfahrener Wissenschaftler, die dann in den Unternehmen ihre Kenntnisse und Erfahrungen, aber auch ihre Netzwerke einbringen.

Sehen Sie die Unabhängigkeit der Forschung durch solche Kooperationen gefährdet?
Ich sehe in solchen Kooperationen keine Gefahr für die Unabhängigkeit der Forschung. Im Gegenteil: Sie sind wichtig als Maßstab der Relevanz anwendungsorientierter Forschung.
Wenn etwas die Unabhängigkeit der Forschung gefährdet, dann ist das die geringe Grundausstattung der Universitäten mit wissenschaftlichem und technischem Personal. Denn heute ist auch unabhängige, grundlagenorientierte Forschung nur mit im Wettbewerb eingeworbenen Drittmitteln – zum Beispiel über die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG – in relevantem Umfang möglich.

Weniger ist mehr: Schlanke Prozesse für operative Stärke

Effiziente und schlanke Prozesse nutzen, um die operative Stärke auszubauen, ist ein wesentliches Ziel der „Strategie 2025“ der BENSELER-Firmengruppe. Daran arbeiten die Oberflächenspezialisten kontinuierlich und über alle Standorte hinweg.

Effiziente und schlanke Prozesse nutzen, um die operative Stärke auszubauen, ist ein wesentliches Ziel der „Strategie 2025“ der BENSELER-Firmengruppe. Daran arbeiten die Oberflächenspezialisten kontinuierlich und über alle Standorte hinweg. Dafür stärken sie etablierte Methoden wie das Shopfloor-Management oder den kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) und bauen zusätzliche Lean-Kompetenz in Form von Fach- und Führungswissen auf. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf dem für diesen Veränderungsprozess notwendigen Kultur- und Verhaltenswandel im Unternehmen.

Los ging es bereits im September 2019 mit Seminaren für die Werkleiter des Geschäftsbereichs Coatings. Die Führungskräfte lernten beispielsweise mehr zum strukturierten Herangehen an Probleme in Fertigungsprozessen, organisatorischen Abläufen mithilfe des sogenannten A3-Problemlösungsprozesses und zu den Denk- und Handlungsschemata von KATA und Nordstern.
Seitdem wird in jedem der sechs Werke an entsprechenden Leuchtturm-Projekten gearbeitet. Anhand dieser Vorhaben trainieren die Beteiligten die korrekte, durchgängige Methodenanwendung des A3-Problemlösungsprozesses sowie dessen Einbinden in die Routinen eines mitunter hochdynamischen Tagesgeschäfts.

All das war auch Thema beim Werkleitertreffen, das im Februar am Standort Frankenberg stattfand. Im Mittelpunkt standen die Präsentation der Leuchtturm-Projekte und der Austausch der bisher gemachten Erfahrungen. Um die Herausforderung noch ein wenig zu steigern, wurde als interner Wettbewerb ein „A3-Award“ ausgerufen – für die beste Kombination aus Methodenumsetzung, Integration in Routinen und Projektpräsentation.

Die Auszeichnung erhielt Johan-Adriaan de Hek. In seinem Werk in Lüdenscheid ging es darum, die Verfügbarkeit dreier Zentrifugen an einer Schüttgutanlage zu optimieren, die immer wieder durch Unwuchtstörungen die Anlage stillstehen ließen, was wiederum Auswirkungen auf den gesamten Schüttgutprozess und damit die Wirtschaftlichkeit der Produktion hatte. Ziel des Projekts war also, die Ursache der Störungen zu ermitteln und nachhaltig zu beseitigen. Das ist Werkleiter de Hek und seinem Team gelungen – wofür es viel Anerkennung gab.

„In diesem speziellen Fall gilt es nun, das Erreichte dauerhaft zu erhalten – und zwar durch das Festlegen entsprechender Standards sowie deren regelmäßiger Überprüfung“, erklärt Dr. Jean-Claude Blumenau. „Aber auch bei den anderen Projekten zeigen sich schon nach so kurzer Zeit beeindruckende Erfolge, die wir mit der bisherigen Vorgehensweise nicht erreicht hätten“, resümiert der Geschäftsbereichsleiter Werke der BENSELER-Firmengruppe.
Der Abschluss der Pilotprojekte ist für Mitte dieses Jahres vorgesehen. Danach ist geplant, Lean-Kompetenz mithilfe eines neuen Schulungskonzepts der BENSELER-Akademie im Unternehmen großflächig auf allen Ebenen aufzubauen.

Der A3-Problemlösungsprozess ist ein Instrument zum systematisch strukturierten Lösen von Problemen. Er macht den Denkprozess für die Beteiligten transparent, indem festgelegte Analyse- und Arbeitsschritte in einem PDCA-Zyklus (Plan, Do, Check, Act) durchlaufen werden. Damit wird auch ein Lernprozess angestoßen, der zu einem tieferen Verständnis der Probleme führt und die Kompetenz vermittelt, nachhaltige Problemlösungen zu entwerfen und diese im Arbeitsalltag zu realisieren.

Der Begriff KATA stammt aus dem asiatischen Kampfsport und bezeichnet Denk- und Verhaltensweisen, die sich durch stetes Üben und Anwenden zu Routinen entwickeln, die beinahe reflexartig ausgeführt werden. Dabei zielt die „Verbesserungskata“ darauf ab, bei Mitarbeitern und Führungskräften schrittweise eine Routine darin zu entwickeln, wie sie sich einem definierten Zielzustand nähern. Mit der „Coachingkata“ helfen die Führungskräfte ihren Mitarbeitern durch ein gezieltes Coaching, damit das Anwenden der Verbesserungskata zur Gewohnheit, zur Selbstverständlichkeit wird.

Der Nordstern steht in der Lean-Welt für das Idealbild und somit – anlehnend an den Polarstern als Orientierungs- und Navigationshilfe – als Richtungsweiser. Er ist mehr als eine einfache Unternehmensvision. Von ihm ausgehend wird eine Zielkaskade erstellt – von langfristigen Unternehmenszielen über mittelfristige Bereichsziele bis hin zu kurzfristigen prozessualen Zielen. Dabei sind die Ziele vom Geschäftsführer bis hin zum Mitarbeiter im Prozess miteinander verbunden.

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